Vom Sprung ins kalte Wasser.

Quelle: Pixabay
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Ich bin schon oft ins kalte Wasser gesprungen. 

 

Als Kind und Jugendliche war ich Leistungsschwimmerin, habe viel trainiert und unzählige Stunden bei Wettkämpfen in Hallenbädern verbracht. In Freibädern war das Wasser manchmal besonders kalt.

 

Jedes Mal habe ich mich vor dem Sprung gefürchtet. Genauer gesagt vor dem Eintauchen. Vor dem Schreck, wenn die Temperatur sich mit einem Schlag verändert. Dann schnappt man zuerst verzweifelt nach Luft, weil die Kälte einem den Atem abschnürt.

Doch das wird schnell besser.

 

Nach dem Sprung ins kalte Wasser folgt der sagenhaften Moment, in dem uns klar wird, dass wir gerade unsere Komfortzone verlassen haben. Wir sind stolz auf unser Wagnis, auf unseren Mut und unsere ureigene Kraft, die wir nur aufbringen konnten, weil wir etwas anderes spüren und erleben wollten. Etwas anderes als das, was vorher da war.

 

Wir müssen uns nun in einem neuen Element zurecht finden und stellen überrascht fest, dass das ganz automatisch geschieht. 

 

Die Angst war unbegründet.

 

Denn wir bewegen einfach Arme und Beine, um uns über Wasser zu halten. Und die Wellen lassen uns immer wieder Raum, damit wir weiter atmen können.

 

Unsere Körpertemperatur passt sich den neuen Bedingungen an, weil wir aktiv sind.

 

Mit kraftvollen Schwimmbewegungen ziehen wir uns vorwärts, sind schon bald völlig im Einklang mit dem Wasser und seinem Rhythmus. Denken nicht mehr darüber nach, dass die Umstände nun andere sind. 

 

Wir fließen im neuen Strom des Lebens.

 

Und das Wasser? Ist nur Wasser.

 

Nun ist es nicht mal mehr kalt. 

 

Im Gegenteil: Wir fürchten uns davor, es wieder verlassen zu müssen. Denn draußen ist es nun kälter als drinnen. 

 

So ziehen wir unsere Bahnen in der neuen Realität ganz wie von selbst. 

Vergessen die seltsame Angst von früher. 

 

Jeder Tag ist voll von möglichen Sprüngen ins kalte Wasser. Manchmal entscheiden wir uns dagegen und manchmal dafür. 

 

Andere Male wiederum werden wir gegen unseren Willen hinein gestoßen.

 

Doch wir kommen immer wieder da an, wo wir sind und wo wir sein sollen.

 

Später dann, nach der Bewegung und nach der heißen Dusche, fühlen wir uns erfrischt und kraftvoll, selbstbewusst und leicht. 

 

Entspannter Körper. Klarer Geist. Neues Wissen.

 

Wie neu geboren. 

 

Mitten im Neuanfang. Verlust ist Illusion.

 

Es gibt nur Lernen, Erfahren und Gewinnen.  

 

Lohnt er sich nicht allein dafür, der Sprung ins kalte Wasser?

 

Ich stehe oben auf dem Startblock. 

 

Blicke konzentriert auf glattes Blau, das auf meine Wellen wartet.

 

Und diese Wellen werden funkeln. Im sanften Sonnenlicht, das mir bereits aufmunternd zulächelt.

 

Auf die Plätze …

Fertig …

 

LOS!

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Kommentare: 3
  • #1

    Simone K. (Samstag, 27 Februar 2016 22:22)

    Wieder ein wunderschöner Text, liebe Sarah...und er macht so viel Mut!
    Das Leben ruft:
    SPRING!
    Bei "spring" fällt mir spontan noch ein : " Frühling".... :-) .....auch ein Zeichen für Aufbruch und Neubeginn ♡
    Alles Liebe für dich
    Simone

  • #2

    Luise Kulozik (Sonntag, 28 Februar 2016 12:22)

    Guten Morgen liebe Sarah,hab dich auch sehr vermisst,aber nun bist du wieder da,und noch dazu mit sehr schönen Zeilen,ich danke dir dafür.Hab noch einen schönen Sonntag,alles Liebe Luise

  • #3

    Xenia (Dienstag, 01 März 2016 19:14)

    Ein wundervoller Sarah-Text (wie immer :-)) der einem ganz viel Mut und Selbstvertrauen schenkt, für alles, was im Leben so daher geschwommen kommt ;-) Vielen lieben Dank dafür!