Wer Du wirklich bist.

Quelle: Pixabay
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Wann fängt das eigentlich an mit den Selbstvorwürfen?


Wie alt warst Du, als Du Dir die erste gemeine Beleidigung an den Kopf geworfen hast, um Dir weh zu tun? Wann dachtest Du zum ersten Mal, Du seist nicht gut genug? Und wann warst Du davon überzeugt? Wann glaubtest Du zu wissen, dass tiefe Verletzungen Dich lehren könnten, besser zu sein? Und liebenswerter?

Vielleicht hast Du diese falschen Überzeugungen in Dir gesät, weil deine beste Freundin beim Wettrennen immer schneller war. Oder weil Dein Kumpel im Kindergarten so viel Lob für seinen selbstgemalten Dinosaurier bekommen hat. Obwohl Du Dir mit deinem Kunstwerk doch so viel Mühe gegeben hast. Eifrig hast Du den Pinsel in leuchtenden Farben gebadet, um einen Schmetterling zu zaubern, den niemand je so malen könnte wie Du. Wie konntest Du nur glauben, der auf dem anderen Bild sei schöner? Und sein Künstler wertvoller?


Oder fing alles an, als Du Deine Eltern zum ersten Mal enttäuscht oder verletzt hast? Als Du zum ersten Mal gelogen hast? Als Du Angst hattest, obwohl Du mutig sein solltest? Als Du weintest, obwohl es ja doch gar keinen Grund gab, wie alle sagten? Als Du wütend wurdest, aber doch brav sein musstest …?


Wann hast Du das erste Mal gemerkt, dass Du all die Erwartungen der anderen einfach nicht immer erfüllen kannst? So sehr Du es auch versuchen würdest? All diese Erwartungen. Aber Du wolltest nicht aufgeben, es immer wieder probieren. Doch alle konntest Du nicht glücklich machen. Du wurdest wütend auf dich selbst, weil Du das Gefühl hattest, Ihren Wünschen gerecht werden zu müssen. Der Maßstab war der Wunsch der anderen. Klare Vorgaben, wie Du handeln und fühlen sollst. Man kann Dich doch nicht lieben, wenn Du anders bist als gewollt, oder?


Irgendwann hast Du die Lügen mit der Wahrheit vertauscht und falsche Sachen geglaubt.


Und wenn man falsche Sachen glaubt, verletzt man sich selbst.


Du hältst die Peitschen bereit. Deine Wortpeitschen. Und die holst Du bis heute täglich hervor, wenn Du wie so oft nicht richtig funktionierst. So wie erwartet. Und deshalb schimpfst du mit dir selbst, teilst Peitschenhiebe aus:


Du Idiot!
Wie kann man nur so dumm sein!
Warum bist du so faul?
Warum fängst du immer gleich zu heulen an?
Du siehst so furchtbar aus!
Du bist viel zu fett.
Jeder Depp würde das schaffen! Warum bist DU zu blöd dazu?
Deine Dummheit kennt keine Grenzen.
Kein Wunder, dass dich niemand richtig lieb hat!


Das tut weh, nicht war?


Wohin soll das führen?


Ich glaube, dass Selbstoptimierung anders funktioniert.

Quelle: Pixabay
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Ich höre oft, dass Selbstliebe das Wichtigste sei. Das Wichtigste überhaupt. Die Basis für alles Gute in unserem Leben. Wenn wir uns erstmal wieder selbst lieben könnten, werden die Samen dieser Liebe Früchte tragen, so dass alles um uns herum aufblühen kann. Wir wären entspannter und liebevoller und gütiger und demütiger.


Klingt schön.


Doch wie geht das? Wie liebt man sich selbst?


Ich kann inzwischen öfter gut zu mir sein. Und wenn mir das gelingt, breitet sich ein Gefühl der Sanftmut aus. Ein leiser Hauch streift mich dann. Der könnte sowas wie Liebe sein. Die gut gemeinte Handlung ist vielleicht die Quelle der Selbstliebe. Möglicherweise ist es reine Übungssache. Je öfter wir uns selbst Gutes tun, umso mehr können wir uns auch lieb haben. Weil wir uns mit der Zeit durch die guten Taten davon überzeugen, dass wir wertvoll sind. Das kann ein liebevoller Gedanke sein, der einen hässlichen ersetzt. Oder ein heißes Bad mit Lavendelduft, statt verkrampft am Schreibtisch zu sitzen. Ein langsamer Spaziergang, wenn wir glauben, wir sollten besser im Gleichschritt übers Laufband hetzen. Das sind bestimmt sinnvolle Methoden, um mehr in die Selbstliebe zu kommen. Ich möchte das immer weiter üben.


Doch ich will auch, dass es schneller geht. Ich will mich jetzt schon liebhaben und in den Arm nehmen können, wenn ich traurig bin. So richtig mit dem Gefühl dazu. Mir gut zureden, wenn ich Schmerzen habe. Mich loben, weil es tausend Gründe dafür gibt. Mir sagen, dass ich gut genug bin. Und ich will es auch wirklich ehrlich meinen. Nicht bloß so tun.


Vielleicht bin ich deswegen jemandem begegnet. Sie hat mir viel über mich verraten. Mir durch ihren Blick gezeigt, wer ich wirklich bin.


Darf ich vorstellen:

Das bin ich.


Ich sehe das Foto an. Betrachte das kleine Mädchen und kann nicht mehr schimpfen. Die Beleidigungen zerfallen zu mikrofeinem Staub, den ein sanfter Windhauch davon trägt. So als hätte es sie nie gegeben. Sie sind so unbedeutend und so nichtig. Da bleibt nur das kleine Wesen, das Gottes ganze Reinheit, Klarheit, Wärme und Liebe in sich trägt. Wie könnte ich böse mit ihm sein? Ihm all die gemeinen Dinge an den Kopf knallen, um es zu verletzen? 


Ich bin das doch immer noch.


Ich habe die Kleine nur unter meinen Selbstvorwürfen versteckt. Unter all den falschen Wahrheiten, die mir über mich erzählt wurden und die ich mir dann selbst weiter vorgelogen habe.


Wenn Du also denkst, Du kannst Dich nicht lieben, wenn Du der Meinung bist, Du seist nicht gut oder wertvoll genug, dann durchforste die alten Fotoalben und schau Dich nur an. Nimm dir das Bild, welches Dich am meisten anspricht. Eines, wo Du Dich wirklich wiedererkennst. Und dann sieh Dich genau an.


Das bist Du.


So wie Du wirklich bist.


Wie könntest Du nicht gut, nicht liebenswert genug sein?


Siehst Du Dich?


Wie sollte man die reine Liebe, das warmes Licht, das Du bist jemals hassen können?


Hör auf mit diesen üblen Beschimpfungen und den gemeinen Anklagen.


Du belügst Dich nur selbst.


Es ist an der Zeit, Dir die ganze Wahrheit zu erzählen.


Ich bitte Dich aus tiefstem Herzen: Fang endlich mit der Wahrheit an.


Komm zurück zu Dir selbst und umarme Gottes Kind, das Du bist.


Während ich über diesen Post nachdachte, wurde ich auf den Song aufmerksam, der gerade im Radio lief:


„You’re Simply the Best“ von Tina Turner.


Damit haben die Engel nicht Dich im Speziellen gemeint. Auch nicht mich im Besonderen.


Sondern uns alle. Im Ganzen.


Und weil sich direkt nach Tina Turner die Band Tears for Fears mit „Sowing the Seeds of Love“ zu Wort meldete, dürfen wir das wohl als weitere liebevolle Aufforderung betrachten, ab sofort das Richtige zu tun:


Uns selbst von Herzen zu lieben und unsere Saat regelmäßig zu gießen. Denn nur so können genug Früchte wachsen, um sie an andere weiterzugeben, die vielleicht gerade am Verhungern sind.


Wir haben also gute Gründe. Liebe pflanzen lohnt sich.


Fangen wir an.

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Kommentare: 8
  • #1

    Hellmut (Samstag, 19 September 2015 19:03)

    Danke :-*

  • #2

    marianne (Sonntag, 20 September 2015 19:44)

    ja...! ❤️

  • #3

    Stefan (Mittwoch, 23 September 2015)

    Liebe Sarah, ich finde, das ist ein ganz wichtiger, sehr berührender Artikel - herzlichen Dank dafür!
    Und ich wünschte, es könnten ihn so viele Menschen wie möglich lesen ...

    Liebe Grüße,
    Stefan

  • #4

    nadine (Donnerstag, 05 November 2015 22:36)

    Diese Augen und dieser Blick. Wirklich sehr süß, liebenswert und berührend ♥

  • #5

    www.mit-engeln-im-licht.de (Samstag, 07 November 2015 16:47)

    Danke, Nadine, sehr lieb von dir. :-)

  • #6

    Marie-Luise Kulozik (Samstag, 14 November 2015 19:14)

    Ich bin inzwischen 80 Jahre,aber gerade jetzt im Alter tut es mir besonders weh,dass meine Mutter mich niemals richtig in den Arm genommen hat.Mein Vater ist im Krieg geblieben,und seit der Zeit hab ich nur gehört,dass ich keine Brille bekomme da ich schon häßlich genug sei,ich weiß es war für unsere Mutter(1 Bruder) nicht einfach uns durch die schweren Nachkriegsjahre zu bringen,sie starb auch sehr früh(44J)aber alles in unserer Familie war ich,ob Geld fehlte,ob verkehrt eingekauft war,Ich habe in meinem Leben noch nie einem Menschen etwas weggenommen,noch nie,aber immer bekam ich Ohrfeigen für Alles.Ich weiß nicht warum es mich gerade jetzt im Alter so kränkt??Mein Vater war der gütigste Mensch den man sich vorstellen kann,niemals hat er rumgebrüllt oder uns geschlagen,immer wenn er zurück mußte in den Krieg sagte er leise zu mir"bitte sei lieb zu Mutti"ich liebte ihn so sehr und so folgte ich ihm aufs Wort,aber dass hat nicht geholfen,ich war schon beinah über artig und gehorsam,aber geholfen hat es nichts.Warum quält es mich Tag und Nacht??Eigentlich hab ich mir früher nie solche Gedanken gemacht,aber plötzlich kann ich kaum einschlafen,ich glaube ich tu mir selber leid,oder??Ich hab mir immer früher gesagt,er sieht aus wie unser Vater(mein Bruder)vll. konnte die Mutter ihn deshalb nie bestrafen obgleich sie genau wußte er war der Jenige welcher.Sie hat allerdings nie einen Unterschied zwischen uns gemacht was alles Andere betraf,ich bekam das Gleiche an Pflege und Zuwendung wie er,und in den Arm genommen wurde er auch nicht,ich glaub dass lag ihr nicht so.Warum hör ich die Antworten meiner Engel nicht?? Warum ist nur soviel Bitterkeit plötzlich in mir,ist es vll. die Angst vor dem Wiedersehen mit den Eltern,das ja nun immer näher rückt?? Vll. haben Sie eine Antwort für mich,ich hoffe ich war nicht zu Ausführlich,danke schonmal im Vorraus. Herzliche Grüße,Marie-Luise Kulozik

  • #7

    www.mit-engeln-im-licht.de (Sonntag, 15 November 2015 12:08)

    Liebe Marie-Luise,

    vielen lieben Dank für Ihr Vertrauen.

    Ihre Gefühle sind nun da und sie haben ihre Berichtigung da zu sein. Offenbar haben Sie sie jahrelang unterdrückt und es ist ganz klar, dass die Verletzungen irgendwann an die Oberfläche dringen und bestimmte Dinge verarbeitet werden wollen. Lassen Sie diese Gefühle zu und verurteilen Sie sich nicht dafür! Fühlen Sie sie, damit sich der emotionale Schmerz und die Wut (die doch so menschlich ist) schließlich auflösen können.

    Wichtig ist, dass Sie sich nicht in diesen Gefühlen verlieren. Bitten Sie Ihre Engel, Ihnen dabei zu helfen, den Schmerz und die Bitterkeit loszulassen. Pascal Voggenhuber, ein sehr bekanntes Medium sagte einmal, dass die Verstorbenen hören können, was wir ihnen mitzuteilen haben. Liebe Marie-Luise, sie können sich gut mit Worten ausdrücken. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an und schreiben Ihrer Mutter einen Brief, in dem Sie alles unverblümt mitteilen, was sie bewegt und belastet. Lassen Sie alles raus!

    Bitten Sie Ihre Engel darum, den Konflikt, den Sie noch in Ihrem Herzen tragen, aufzulösen. Bitten Sie sie darum, Ihnen die Schwere auf der Brust und die Wut im Bauch abzunehmen und in Liebe umzuwandeln. Während Sie diesen Brief schreiben, seien sie sich bewusst, dass Ihre Mutter Ihnen zuhört. Denn das ist wichtig, damit sie liebevoll loslassen können.

    Da Ihre Mutter bereits im Alter von 44 Jahren gehen musste, blieb Ihnen beiden offenbar keine Zeit, sich auszusprechen. Vielleicht hätte Ihre Mutter Ihnen einiges erklären können. Sie hat, meinen Berechnungen zufolge in ihrem kurzen Leben zwei Kriege miterlebt. Vielleicht hat sie mehr Kriegsjahre durchmachen müssen, als Jahre, in denen sie ohne Angst leben konnte. Wer weiß, was sie alles ertragen musste? Welche Konflikte, Ängste, welche Verletzungen sie in ihrem Herzen trug, die sie eventuell nicht verarbeiten konnte. Vielleicht hatte Ihre Mutter Schuldgefühle, mit denen sie nicht umgehen konnte. Sie hat in Ihnen vielleicht sich selbst gesehen. Und die Strafen galten eigentlich nicht der Tochter, sondern Sie wollte unbewusst sich selbst bestrafen. Und vielleicht hat es Ihre Mutter selbst gequält, dass sie so zu Ihnen war. Das sind alles Spekulationen. Aber eines ist sicher: Wir haben alle eine Vergangenheit, die uns und unser Handeln prägt. Ihre Mama hat es so gut gemacht, wie sie konnte. Auch, wenn Sie, Marie-Luise, darunter leider sehr leiden mussten. Letztlich wurden Sie durch alles, was Sie erlebt haben, der Mensch, der Sie jetzt sind! Und ich bin sicher, dass das viel Wundervolles mit sich gebracht hat!

    Fest steht, Ihre Mutter liebt Sie. Doch es war manchmal für sie schwer zum Ausdruck zu bringen. Sie schreiben, dass Ihre Mutter stets dafür sorgte, dass es Ihnen an nichts fehlte, sie bekamen die gleiche Pflege und Fürsorge wie Ihr Bruder. Das ist für mich ein deutliches Zeichen, wie sehr sie Sie geliebt hat und immer noch liebt.

    Haben Sie keine Angst vor einem Wiedersehen mit Ihrer Mutter, liebe Marie-Luise. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle weltlichen Belastungen, alle schweren Gefühle ablegen dürfen, wenn wir zu Gott gehen. Dort sind wir leicht, voller Frieden und Liebe und ganz ohne Schmerz. Ihre Mutter wird Sie empfangen und liebevoll in ihre Arme schließen, wie sie es ihr hier auf der Erde nicht möglich war. Sie bekommen Ihre Umarmung! Davon bin ich überzeugt.

    Auch Sie, liebe Marie-Luise, werden frei sein von all den schweren Gefühlen, die sie gequält haben und die Ihnen gerade auf dem Herzen liegen.

    Doch bis Sie Ihre Eltern wiedersehen: Genießen Sie das Leben und freuen Sie sich an den schönen Dingen, die es Ihnen schenkt. Ihr Herz darf leicht und frei sein. Das wünschen sich die Engel für Sie! Und vielleicht schickt Ihnen Ihre Mutter von oben ein Zeichen, dass Ihnen zeigt, wie sehr sie Sie liebt. Denn das tut sie.

    Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Liebe!

    Ihre Sarah

    PS: Gerne können Sie mir auch eine E-Mail schreiben, wenn Sie sich noch weiter austauschen möchten: sarah@mit-engeln-im-licht.de

  • #8

    Thomas Grausgruber (Dienstag, 12 Januar 2016 20:46)

    Hallo liebe Sarah,
    voll schöner Artikel den Du hier ins Leben gegeben hast - Danke!
    Ich habe auch einen zum Thema Selbstliebe geschrieben (http://www.fuehldichfrei.org/selbstliebe-appell/) - vielleicht magst Du ja dort einen Link zu diesem wundervollen Text von Dir in die Kommentare stellen, ich finde die Idee mit dem Kinderfoto nämlich super!
    Herzliche Grüße
    Thomas