Entschuldige, mein bester Freund.

Quelle: Pixabay
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Seit ich hier bin, bist du für mich da. Von Beginn an. Dein Atem nährt mich. Füllt mich aus. Lässt mich fühlen, was Leben ist.


Du gabst mir ein Zuhause und hast mich all die Jahre, in denen wir zusammen sind nicht einmal angezweifelt. Dein Vertrauen in mich übertrifft alle Vorstellungskraft. Noch immer. Obwohl ich es so oft gebrochen habe. Du liebst mich dennoch immer weiter. Setzt unverdrossen deine Hoffnung in mich und meine Entscheidungen.

Du bist der beste Gastgeber, den ich mir nur wünschen kann. Als ich klein war, hast du mir all die unbändige Energie gegeben, die ich brauchte, um die Welt und ihre Wunder zu entdecken. Um auf Bäume zu klettern, von Mauern zu springen, meine Ängste zu überwinden.


Irgendwann brach die Zeit herein, da ich endlich selbst Verantwortung für dich übernehmen durfte. Ich hätte damit anfangen sollen, mich gut um dich zu kümmern, dich zu schützen und mit allem zu versorgen, was Du so dringend brauchst. Mit allem Guten, allen Kostbarkeiten, die dich nähren. Wie sehr du das alles verdient hast!


Du sehnst dich nach meiner Liebe. Wünschst dir, dass ich zuhöre. Deine Bedürfnisse verstehe, dich umsorge und für dich da bin.


Doch ich zeigte dir die kalte Schulter. Weil ich traurig war. Ich ertränkte meinen Schmerz in Alkohol und mein Feinsinn zog zusammen mit dem Zigarettenqualm hoch an die Kneipendecke. Ich überzuckerte dein Blut und ließ es in meinen Ohren rauschen.


Denn was ich oft vergaß: Wir gehören doch zusammen! Wir haben die engste, tiefste Verbindung, die man miteinander eingehen kann. Deine Kraft und meine Liebe dürfen ineinander greifen wie Puzzleteile. Und das Bild zeigt Harmonie und Sonnenschein. Ein vollkommenes Leben in Gemeinschaft und Geborgenheit.


Soll Liebe oder Ablehnung unser Sein bestimmen? Diese Entscheidung liegt bei mir.


Du hast gelitten unter meinen Eskapaden. Doch du bist Meister im Kompensieren. Warst und bist noch immer in deiner Kraft.


Wie viel stärker könntest du mit meiner Hingabe sein?


Wie lange hilfst du mir?


Es tut mir leid.


Wie oft habe ich meine Verantwortung für dich abgeschoben? Und wieso tue ich das noch immer? Und wie oft siehst du darüber hinweg und bist weiter mit all der Zuneigung für mich da, die du aufbringen kannst? Du wolltest immer nur mein bester Freund sein. Und ich? Ich habe dein Flehen ausgeblendet. Auf dich geschimpft und mir gewünscht, du wärst anders. Dich gehetzt, verletzt, dich nie gelobt.
Dir nie gesagt wie wundervoll du bist. Wie gut. Wie ehrenhaft.


Es tut mir so unendlich leid.

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Wie oft standen wir da, haben uns im Spiegel betrachtet? Und wie oft habe ich mich beschämt von dir weg gedreht? Versucht, deine liebenswerten Makel zu kaschieren, damit sie bloß niemand zu sehen bekommt. Auch ich nicht. Deine Traurigkeit war so laut. Doch zu leise für mich. Du warst auf Liebesentzug. So viele Jahre habe ich dir meine Zuneigung vorenthalten, dir selten einen Funken davon zum Aufwärmen gegeben. So wurde dir kalt – doch dein Zittern störte mich nur.


Wen wundert es, dass deine Kräfte auch mal schwächer wurden? Wenn du krank warst, schimpfte ich mit dir – denn deine Stärke war so selbstverständlich für mich. 


Wie kannst du mich nur Stich lassen? Dachte ich.


Ja, wie nur?


Wie nur, konnte ich diese Frage ernsthaft stellen?


Immer nur nehmen. So selten geben. So funktioniert das nun mal nicht.


Heute schaue ich dich an. Du rührst mich zu Tränen. Noch immer bist du stark und kraftvoll. Gehst in Würde weiter. Auch wenn du Narben davon getragen hast und alte Wunden noch immer schmerzen. Du heilst dich selbst und wartest auf mich. Geduldig und friedvoll.


Und ich?


Ich gehe in kleinen Schritten auf dich zu. Ich habe dich entdeckt. Erkannt. Wiedergefunden. Begriffen, wie wertvoll du bist. Wie viel du jeden Tag für mich tust. Du hast mich nie im Stich gelassen. Ganz anders als ich dich. Und du bist weiter gut zu mir.


Ist das bedingungslose Liebe?


Heute sage ich dir offen und ehrlich:


Du bist das Beste, was mir je passiert ist.


Oh, du meine Liebe.


Ich beschütze dich.


Hülle dich in meine Liebe ein.


Was dich heilt sind Dankbarkeit, Fürsorge und Achtsamkeit. Ich übe mich darin, so gut ich kann. Auch, wenn ich stets verbesserlich bin.


Denn du bist mein. Ich bin dein.

Wohnt niemand in dir als ich allein.


Mein Körper.


Körperlichkeit.


Wohlfühlbarometer.


Schützende Hülle.


Tempel.


Heiligtum.


Einzigartigkeit.


Geschenk meiner Eltern.


Juwel von Gott.


Ich liebe Dich.

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Kommentare: 2
  • #1

    Hellmut (Freitag, 14 August 2015 12:42)

    Wie schön, dass du uns immer wieder an scheinbare Selbstverständlichkeiten erinnerst :-)
    Danke dafür :-*
    Und ich bin sicher, dein Körper ist großzügig, nicht nachtragend und weiß deine Signale zu würdigen.

    Liebe Grüße
    Hellmut

  • #2

    Marie-Luise Kulozik (Sonntag, 22 November 2015 15:14)

    Danke für diese wunderschönen Worte!!!