Sportliebe – Die Magie der Bewegung

Quelle: Pixabay
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Kürzlich schrieb ich darüber, wie ich durch Kreativität wieder zurück zur Freude kommen kann. Wie sie mir hilft, Erfüllung in mein Leben zu bringen. Es gibt da noch etwas, durch das ich ganz aktiv dazu beitragen kann, Frust, fehlende Motivation und das Gefühl festzustecken, in Zufriedenheit und Spaß verwandeln kann.


In den letzten Wochen, als ich wieder anfing körperlich aktiver zu werden, ist es mir erst so richtig klar geworden. Es gibt etwas, das unheimlich viel Glück und Zufriedenheit in mein Leben bringt. Etwas, das mich früher oft Überwindung gekostet hat.


Dieses große Glück in meinem Leben ist der Sport.

Früher, in meiner Jugend und bis vor wenigen Jahren noch, war Sport für mich ein notwendiges Übel. Ein Mittel zum Zweck, nämlich um Kalorien zu verbrennen. Eine Zeitlang trieb ich Sport aus einem Zwang heraus. Er war damals wie eine ungesunde Droge für meinen Geist, der ein falsches Bild von der Welt hatte und davon, wie ich sein sollte. So war die Bewegung ein absolutes Muss, um den Kuchen oder das Stück Schokolade zuviel abzuarbeiten.


Klar, dass ich mich auf diese Weise nicht wirklich bewusst und mit Spaß bewegt habe.


Denn es war vielmehr so, als stünde jemand mit der Peitsche hinter mir. Er ließ sie immer wieder auf mich nieder, um mich daran zu erinnern, warum ich das alles tun musste: „Wenn du abnimmst, bist du glücklicher! Und wenn du den langen Spaziergang  zusätzlich zum Schwimmtraining am Morgen auch noch machst, kannst du dich endlich entspannen.“ Meine prügelnden Gedanken trieben mich vorwärts.

Wie ich die Liebe zum Sport verloren habe

Als Kind habe ich gar nicht über mein Bewegungspensum nachgedacht! Es kam ganz natürlich aus dem starken Bedürfnis meines Körpers heraus. Und weil ich große Freude daran hatte! Ich liebte Ballspiele, habe mit den Jungs gekickt, und war richtig gut im Bälle fangen. Ich spielte stundenlang mit meiner Familie Federball im Garten, ging gerne zum Turnen, tobte rum, spielte fangen, sprang mit Anlauf ins Wasser, hüpfte in der Pause Gummitwist und kletterte auf Bäume.


Bis es irgendwann hieß: „Man MUSS sich bewegen!“


Bis ich zu spüren bekam, dass es wichtig ist, besser und schneller und beweglicher als andere zu sein. Bis ich beim Waldlauf im Sportunterricht am hinteren Ende der Schlange mitlief. Bis ich im Schwimmverein merkte, dass sich niemand für meine nur durchschnittlichen Leistungen interessierte. Bis ich beim Ballspielen als Letzte in die Mannschaft gewählt wurde.


Irgendwo dazwischen verlor ich die Verbindung zur großen Magie des Sports.  Zu der unendlichen Freude, die Bewegung früher in mir ausgelöst hatte. Zu dem Glücksgefühl und der tiefen Zufriedenheit, die sie bereithalten kann. In dieser Zeit muss mir auch das von Grund auf natürliche Körperbewusstsein, das Kinder noch haben, abhandengekommen sein.


In meiner Teeniezeit begriff ich Sport  dann nur noch als Mittel, um abzunehmen. Um gut auszusehen. Um sexy zu sein. Um einen Freund zu bekommen. Um geliebt und bewundert zu werden. Um Anerkennung zu finden. So arbeitete ich stundenlang auf dem Stepper, rannte um den See. Und habe es gehasst. Und ich wurde nicht beliebter und ich sah nicht besser aus und ich bekam keinen Freund deshalb.


Ich hasste meinen Körper weiter und war der Meinung, dass ich ihn nur angemessen quälen musste, um mit anderen mithalten zu können.


Und so quälte ich mich.


Es wurde darüber geschwiegen, dass Bewegung Spaß machen darf. Dass sie mich zurück zu meinem Körper führen möchte. Dass sie meinen Körper und mich wieder zu besten Freunden machen kann.


Warum hat mir DAS in der Schule niemand beigebracht?

Mit Sport zurück zur Selbstliebe

Durch Sport können wir uns entweder von uns selbst entfernen – nämlich dann, wenn wir uns aus den falschen Gründen in Bewegung setzen und diese dann als Quälerei empfinden. Und indem wir uns noch mehr verurteilen, weil es anderen so viel leichter fällt.


Oder aber wir können durch den Sport zu uns selbst zurückkehren und tiefe Selbstliebe erfahren. Das geschieht dann, wenn wir uns eine Bewegungsform suchen, die uns Spaß macht und uns somit tief erfüllt. Mit ihr entstehen keine Stressgedanken, sondern tiefe Entspannung und Zufriedenheit. Vorausgesetzt, wir bewegen uns allein für uns selbst und hören auf, uns an anderen zu messen.


Ich finde, der Sport sollte nicht als Diätmittel missbraucht werden. Dafür ist er zu kostbar. Er ist in erster Linie kein Kalorienfresser, sondern ein wundervoller Schatz, der uns helfen kann Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Der uns hilft, unseren Körper wieder wahrzunehmen, der dafür sorgt, dass wir die kostbare Luft noch viel tiefer einatmen und in uns aufnehmen. Der uns belebt und uns zurück zur Lebensfreude bringt.


Weil wir durch ihn unseren Herzschlag hören. Weil wir durch ihn spüren, dass wir lebendig sind.

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Für welche Wahrheit trainieren wir eigentlich?

Wir Menschen LIEBEN Bewegung! Ja, auch diejenigen, die meinen, sie sei furchtbar und die nichts lieber täten, als auf der Couch zu liegen, statt die Muskeln brennen zu lassen. Uns in der Bewegung zu spüren, ist eines unserer tiefsten Grundbedürfnisse. Sport nährt unseren Geist, beflügelt unsere Seele und stärkt unseren Körper. Er gibt uns Selbstbewusstsein und Bodenhaftung. Er versorgt uns mit unbändiger Energie und befreiender Klarheit.

 

Viele von uns haben diesen essentiellen Antriebsmotor nur in die hinterste Ecke der Garage gestellt. Wir haben unsere Sportliebe vergessen, weil Bewegung zu einem MUSS avanciert ist. Und weil die große Freude am Sport, als ganz wesentlicher Grund dafür, uns ihm intensiv zu widmen und dauerhaft in unser Leben zu integrieren, in den Hintergrund gerückt ist.

 

Diäten, Kalorienverbrauch, tolles Aussehen, besser werden als andere, schneller sein als gestern, Anerkennung finden, fit bleiben sind – nach meinem Empfinden – die am häufigsten genannten Gründe für den Sport. Er ist zu einem gesellschaftlichen Zwang geworden.

 

Aus den genannten Gründen mag ich heute keinen Finger mehr im Fitnessstudio krumm machen.

 

Ich trainiere nicht mehr für die Wahrheiten anderer Leute. Sondern für meine eigene Wahrheit.  Und die beinhaltet für mich FREUDE und WOHLBEFINDEN.

 

In meinem Körper spielen die Glückshormone verrückt, wenn er die Bewegungen ausführen darf, die für ihn gemacht sind. Jeder Körper ist da anders. Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse.

 

Deshalb ist es wichtig, sich auszuprobieren. Welche Sportart passt zu mir?

 

It's good to be alive!

Wenn es uns schwer fällt, Sport zu treiben, sollten wir vielleicht unsere Gedanken hinterfragen, uns von alten Denkmustern lösen. Fühlen sich die Gründe, aus denen heraus wir uns bewegen wirklich richtig an? Verbinden wir Bewegung mit einem „ICH MUSS, WEIL…“ ? Und können wir dann das „MUSS“ vielleicht einfach gegen ein „DARF“ eintauschen? Wir DÜRFEN uns bewegen. Und wir KÖNNEN uns bewegen. Wenn wir zwei gesunde Arme und zwei gesunde Beine haben, wie dankbar dürfen wir da doch sein, sie in ihrer vollen Kraft einsetzen zu können?

 

Die Frage ist nicht, OB unser Körper sich bewegen will, sondern worauf er Lust hat! Die Frage ist, was er liebt!

 

Ich selbst liebe Spinning. Ich mag es, an meine Grenzen zu gehen, im Takt zur Musik zu fahren und den Puls in die Höhe zu treiben. Auch, wenn meine Gedanken dabei oft weiterrasen, ist in dieser Stunde doch nur eins wichtig: Mein Körper! Als Ausgleich dazu habe ich kürzlich das Walken für mich entdeckt. Das Laufen hat mir keinen Spaß mehr gemacht, Walken erfüllt und beruhigt mich. Mit jedem Atemzug nehme ich die Natur tiefer in mich auf.  Hinterher bin ich zutiefst entspannt.

 

Der Sport holt mich zurück auf den Boden der Tatsachen, bringt mich wieder in die Zufriedenheit. Wenn ich mies drauf bin und ich meine Einstellung oder die fiesen Gedanken einfach nicht ändern kann, dann bewege ich mich. Powere mich richtig aus, spüre meinen Körper wieder, meine Lungen, meinen Puls. Mein Herz. Ich fühle dann ganz deutlich, wie toll es ist zu leben und Kontakt zu meinem Atem zu haben. Und hinterher sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Ich fühle mich leicht, ausgeglichen und die schweren Gedanken haben sich verzogen. Dann bin ich glücklich.

 

Lasst uns Spaß haben. Lasst uns Sport treiben.

 

Lasst uns spüren, wie gut es ist, lebendig zu sein.

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Kommentare: 3
  • #1

    Ariana (Montag, 25 Mai 2015 08:42)

    Ein wirklich schöner Beitrag - sobald man merkt, dass Sport mehr ist als "ein Mittel zum Abnehmen" oder "ein notwendiges Übel", kann er uns so viel mehr geben!
    Liebe Grüsse
    Ariana

  • #2

    Kristin (Montag, 08 Juni 2015 09:16)

    Ein wunderschöner Beitrag, liebe Sarah! Sport ist wirklich ein wunderbares Mittel, um uns tiefer in unsere Wahrheit und unser Spüren zu bewegen. Der Weg dorthin ist nicht immer leicht, so müssen wir zum Beispiel erst einmal die Bewegungsart/en finden, die wir besonders mögen und die uns die positiven Gefühle bescheren. Außerdem habe ich gelernt, dass zu viel Disziplin nicht gesund ist. Doch wenn wir diesen Weg - UNSEREN Weg - finden, wird Sport immer ein Weg der Freude und Leichtigkeit sein! Bewegung bewegt schließlich nicht nur unseren Körper, sondern auch unseren Geist… :)

    Alles Liebe Kristin

  • #3

    Sarah (Donnerstag, 09 Juli 2015 19:53)

    Liebe Ariana: ganz lieben Dank für Deinen Kommentar! Wir müssen einfach nur die Perspektive ändern! :-)

    Liebe Kristin: Ich habe mich riesig über Deinen Beitrag gefreut. Danke! Schließlich verfolge ich Deinen Blog schon sehr lange. Er hat mich damals u.a. inspiriert, diese Website ins Leben zu rufen. Wenn wir das tun, was unser Herz uns sagt, macht alles viel mehr Spaß. Auch der Sport. Und dann fällt sogar der Part mit der Disziplin weg. :-)